Grabgesteck selber machen – meine Schritt-für-Schritt-Anleitung aus der Floristik
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Ein Grabgesteck selbst gestalten – persönlicher kann eine Erinnerung kaum sein
Ein Grabgesteck selbst zu gestalten, ist für mich etwas Besonderes. Natürlich kann man ein fertiges Gesteck kaufen – und auch ich fertige seit vielen Jahren Trauerfloristik für meine Kundinnen und Kunden an. Aber wenn du dich entscheidest, selbst eines zu gestalten, schenkst du etwas, das sich nicht kaufen lässt: deine Zeit.
Du beschäftigst dich während des Gestaltens mit einem Menschen, den du vermisst. Vielleicht denkst du darüber nach, welche Blumen er mochte, welche Farben zu ihm gehörten oder welche gemeinsamen Erinnerungen du mit ihm verbindest. Und während deine Hände arbeiten, entsteht Stück für Stück etwas sehr Persönliches.
Nach rund 30 Jahren in der Floristik kann ich dir außerdem eines versprechen: Für ein schönes Grabgesteck brauchst du keine 30 Jahre Berufserfahrung. Du brauchst ein bisschen Geduld, Freude am Gestalten und den Mut, deiner eigenen Kreativität zu vertrauen. Ich zeige dir, wie ich ein Grabgesteck aufbaue und worauf ich dabei achte.
Herz, Kreuz oder Kranz – die Grundlage bleibt gleich
Ob du ein Herz, ein Kreuz, einen Kranz oder eine andere geeignete Pflanzunterlage verwendest, spielt für den grundsätzlichen Aufbau zunächst keine große Rolle. Viele dieser Unterlagen sind innen bereits mit einer Kunststofffolie ausgeschlagen. Diese lasse ich bestehen.
In die Aussparung kommt Trockensteckmasse. Wichtig ist tatsächlich das Wort trocken: Für die Verarbeitung von Kunstblumen verwende ich Trockensteckmasse und wässere sie nicht.
Ich schneide die Steckmasse mit einem geeigneten Messer oder einer Spachtel passend zurecht. Dabei arbeite ich lieber zunächst etwas großzügiger. Abschneiden kann ich schließlich immer noch. Ist die Steckmasse einmal zu klein, kann ich sie nicht wieder größer machen. Anschließend drücke ich sie vorsichtig in die Unterlage und befestige sie gründlich mit Heißkleber. Sie sollte am Ende stabil und möglichst bündig in der Unterlage sitzen und nicht unnötig darüber hinausragen.
Damit haben wir bereits das Fundament unseres Grabgestecks.
Erst verstecke ich die Technik
Bevor die erste Blume ihren Platz bekommt, decke ich die sichtbare Trockensteckmasse mit verschiedenen Moosen und Flechten ab. Diese befestige ich stellenweise vorsichtig mit etwas Heißkleber.
Das hat einen ganz einfachen Grund: Gute Floristik darf ihre technische Grundlage gerne für sich behalten.
Wenn wir später durch das Moos hindurch unsere Blumen einstecken, ist die Steckmasse bereits verborgen. Das erspart uns am Ende viel mühsames Nacharbeiten und das Werkstück wirkt von Anfang an natürlicher.
Bevor ich überhaupt mit dem Stecken beginne, lege ich mir übrigens alle Materialien auf meiner Arbeitsfläche zurecht. Wenn du eines meiner Bastelpakete verwendest, hast du dafür bereits die passenden und aufeinander abgestimmten Materialien vor dir. Ich stelle sie so zusammen, dass Farben, Blüten und Beiwerk miteinander harmonieren und du weder unnötig große Mengen kaufen musst noch mitten beim Gestalten feststellst, dass dir etwas Wichtiges fehlt.
Ich sortiere mir die Materialien gerne ungefähr in der Reihenfolge, in der ich sie verwenden möchte: erst die Hauptblüten, danach kleinere Blüten und Beiwerk, anschließend Grün und zum Schluss Trockenmaterialien, Draht, Perlen und kleine dekorative Details. So behältst du auch als Anfängerin viel leichter den Überblick.
Jetzt kommen die Hauptblumen
Nun beginnt für mich der schönste Teil. Als Erstes setze ich die Hauptblüten. Das können Rosen sein, aber genauso gut Amaryllis oder andere größere Blüten – je nachdem, welches Grabgesteck du ausgewählt hast.
Die Stiele der Kunstblumen schneide ich mit einem Seitenschneider auf die benötigte Länge. Bei dünnerem Grün kann auch eine kräftigere, etwas stumpfere Schere ausreichen. Als Ausgangspunkt lasse ich gerne etwa vier bis fünf Zentimeter Stiel stehen. Mein Rat aus der Praxis lautet ganz klar: Lieber zunächst etwas zu lang als einmal zu kurz. Kürzen kannst du immer noch.
Die Hauptblüten stecke ich zunächst nur durch das Moos in die Trockensteckmasse. Noch wird nichts endgültig festgeklebt.
Dann gehe ich einen Schritt zurück.
Schau dir dein Werkstück an. Gefällt dir die Position? Stimmt die Höhe? Wirkt die Verteilung harmonisch? Wenn nicht, steck die Blume noch einmal um. Und wenn du sie drei- oder viermal versetzt, ist das überhaupt kein Problem. Genau dafür haben wir sie noch nicht festgeklebt.
Erst wenn mir die Position gefällt, befestige ich die Blume. Dabei ziehe ich sie nicht wieder aus der Steckmasse, denn dadurch könnte ich die Position und die gewünschte Höhe verlieren. Stattdessen drücke ich den Blütenkopf beziehungsweise den Stiel vorsichtig etwas zur Seite, führe die Spitze der Heißklebepistole bis an die Einstichstelle und gebe dort etwas Kleber an den Stiel. So bleibt die Blume genau dort, wo ich sie haben möchte.
Und bitte immer vorsichtig mit dem heißen Kleber arbeiten – gerade wenn die Finger dicht an der Einstichstelle sind.
Denk an ein schön aufgeschütteltes Kissen
Einer der häufigsten Fehler beim ersten Gesteck ist, dass die Stiele zu kurz abgeschnitten werden und anschließend alle Blüten auf nahezu derselben Höhe sitzen.
Ich möchte aber keine vollkommen flache Blumenfläche.
Stell dir stattdessen ein schön aufgeschütteltes Kissen vor. Es gibt höhere und tiefere Stellen, Blüten treten etwas hervor, andere ziehen sich zurück. Genau dadurch entsteht Tiefe und das Gesteck bekommt Leben.
Meine Floristik darf ohnehin ein bisschen „schrubbelig“ sein. Ich mag es nicht, wenn alles vollkommen starr, glatt und mathematisch angeordnet aussieht. Natürlich hängt die Gestaltung immer vom ausgewählten Werkstück ab. Ein klar gearbeitetes Kreuz darf anders wirken als ein lockeres Herz. Aber auch innerhalb einer festen Form kannst du mit unterschiedlichen Höhen und Tiefen arbeiten.
Und du musst meine Vorlage nicht millimetergenau kopieren. Vielleicht möchtest du die Rosen gruppieren. Vielleicht verteilst du sie lockerer oder lässt sie wie eine kleine Linie durch dein Herz laufen. Die Unterlage gibt dir die Grundform – innerhalb dieser Form darfst du deine eigene Handschrift entwickeln.
Jetzt wächst dein Gesteck Schritt für Schritt
Nach den Hauptblüten ergänze ich kleinere Blüten und Beiwerk, beispielsweise Hortensien. Anschließend arbeite ich das Grün ein und fülle die noch offenen Bereiche nach und nach mit den weiteren Materialien.
Gerade wenn du mit einem meiner Bastelpakete arbeitest, darfst du dich hier entspannen. Die Auswahl der Farben und Materialien habe ich bereits für dich übernommen. Du hast außerdem das Foto des fertigen Werkstücks als Orientierung. Die einzelnen Bestandteile sind von mir so ausgewählt, dass sie miteinander harmonieren.
Du darfst trotzdem davon abweichen.
Vielleicht verwendest du nicht jedes einzelne Teil. Vielleicht gefällt dir ein Material an einer anderen Stelle besser als auf meinem Original. Das ist vollkommen in Ordnung. Mein Produktfoto ist eine Hilfestellung und keine Prüfungsvorlage.
Die kleinen Details hebe ich mir gerne für den Schluss auf. Draht kann beispielsweise dekorativ gebogen werden; Anfang und Ende forme ich gerne zu einer Spirale. Kleine Perlenpins lassen sich damit verbinden und anschließend in die Steckmasse setzen. Auch hier kann ein kleiner Tupfer Heißkleber zusätzlichen Halt geben. Perlen lassen sich auf feinen Silberdraht auffädeln und anschließend als kleine Perlenkette locker über das Werkstück führen und befestigen.
So entstehen zum Schluss diese kleinen Details, die einem Arrangement seinen ganz eigenen Charakter geben.
Wann ist mein Grabgesteck fertig?
Irgendwann kommt der Punkt, an dem man aufhören muss. Und ich weiß aus eigener Erfahrung: Gerade wenn man Freude daran hat, findet man immer noch irgendwo eine Stelle, an der man noch etwas machen könnte. 😄
Deshalb kontrolliere ich mein fertiges Werkstück von allen Seiten. Ich drehe es, schaue von oben darauf, kontrolliere die Seiten und werfe auch einen Blick darunter. Ich berühre und bewege es vorsichtig und prüfe, ob wirklich alles fest sitzt.
Außerdem möchte ich meine Technik nicht mehr sehen. Keine sichtbare Trockensteckmasse, möglichst keine auffälligen Klebestellen und keine unbeabsichtigten Lücken. Wenn die Technik verschwunden ist, das Gesteck stabil ist und es für mein Auge rund wirkt, ist für mich der Moment gekommen: Finger weg. Fertig.
Wie befestige ich mein Grabgesteck auf dem Grab?
Auch das schönste Grabgesteck sollte anschließend sicher liegen. Auf Erde kannst du es beispielsweise mit geeigneten Erdspießen beziehungsweise stabilen Drahtbügeln sichern. Das Prinzip kennst du vielleicht von kräftigen Heringen beim Camping: Das Werkstück wird damit gegen Verrutschen und Wind gesichert.
Bei einer glatten Grabplatte können geeignete Saugnäpfe eine Möglichkeit sein. Ich befestige sie sicher an der Unterseite der Unterlage und sichere die Verbindung zusätzlich. Auf einer geeigneten glatten Oberfläche können sie zusätzlichen Halt geben. Bei starkem Wind würde ich mich allerdings nie ausschließlich darauf verlassen.
Zusätzlich kann ein ausreichend schwerer Stein bereits bei der Gestaltung unauffällig in beziehungsweise unter der Unterlage positioniert werden, sofern Konstruktion und Form das zulassen. Gerade bei windigem Wetter kann zusätzliches Gewicht sinnvoll sein.
Bitte beachte dabei immer die örtliche Friedhofssatzung und die tatsächlichen Bedingungen vor Ort. Die Vorgaben können sich je nach Friedhof unterscheiden. Für besondere Bestattungsformen wie einen FriedWald gelten wiederum eigene Regeln, weshalb du dich dort unbedingt an die jeweiligen Vorgaben halten solltest.
Wie lange bleibt ein Grabgesteck aus Kunstblumen schön?
Das lässt sich nicht auf eine bestimmte Anzahl von Monaten festlegen. Sonne, UV-Strahlung, Regen, Wind, Jahreszeit, Standort und die verwendeten Materialien haben Einfluss darauf, wie sich ein Gesteck im Außenbereich verändert.
Aus meiner Erfahrung können gut gearbeitete Kunstblumengestecke mehrere Monate schön bleiben. Mit der Zeit können Farben jedoch heller und pastelliger werden und auch Naturmaterialien sowie Unterlagen verändern sich durch die Witterung. Sobald dein Gesteck deutlich verblasst oder insgesamt nicht mehr gepflegt aussieht, ist für mich der Zeitpunkt gekommen, es auszutauschen oder neu zu gestalten.
Nach der Fertigstellung kannst du das Gesteck außerdem vorsichtig und sparsam mit einem dafür geeigneten Imprägnier- beziehungsweise Schutzspray behandeln. Es soll dabei nicht tropfnass werden. Bitte beachte immer die Anwendungshinweise und Materialverträglichkeit des jeweiligen Produkts.
Trauerfloristik darf die Geschichte eines Menschen erzählen
In meinen vielen Berufsjahren habe ich etwas gelernt, das mir bei der Trauerfloristik besonders wichtig geworden ist: Wir müssen nicht einfach irgendeine „passende Trauerblume“ auswählen. Blumen und Farben können Erinnerungen tragen.
Mein Opa ist beispielsweise sehr gerne gewandert. Wenn ich an ihn denke, denke ich an Tirol, Edelweiß und Enzian. Meine Oma liebte ihren Garten, Wald- und Wiesenblumen und ganz besonders Rosen. Zu meinem Papa gehören für mich Ringelblumen.
Das sind kleine Verbindungen zwischen einer Blume und einem Menschen – und genau daraus kann sehr persönliche Trauerfloristik entstehen.
Ich habe sogar einmal für einen verstorbenen jungen Mann die vier Ringe des Audi-Zeichens floristisch gestaltet, weil er ein großer Audi-Fan gewesen war. Auch das ist Trauerfloristik. Es ging nicht darum, was traditionell auf ein Grab „gehört“. Es ging um ihn.
Deshalb darf dein selbst gestaltetes Grabgesteck persönlich werden. Du kannst eine Lieblingsfarbe aufgreifen, eine bestimmte Blume auswählen oder ein kleines Element integrieren, das dich an diesen Menschen erinnert. Gerade bei einem Kindergrab darf Trauerfloristik für mich auch bunt und kindlich sein und beispielsweise einen Teddy oder etwas enthalten, das eine persönliche Bedeutung hat – immer natürlich unter Berücksichtigung der jeweiligen Friedhofsregeln.
Je mehr du beim Gestalten an den Menschen denkst, für den du dieses Werkstück machst, desto weniger brauchst du dich zu fragen, ob dein Gesteck genauso aussieht wie meines.
„Aber Sarah, was ist, wenn mein Grabgesteck nicht schön genug wird?“
Wenn du für deine Mama, deinen Papa, deine Oma, deinen Opa oder einen anderen geliebten Menschen selbst ein Grabgesteck gestalten möchtest und Angst hast, dass es am Ende nicht perfekt wird, möchte ich dir etwas mitgeben.
Denk einmal daran, wie dieser Mensch reagiert hätte, wenn du ihm etwas Selbstgemachtes geschenkt hättest.
Hätte deine Mama einen selbst gebackenen Kuchen von dir auseinandergenommen und kontrolliert, ob jede Verzierung vollkommen gerade sitzt? Oder hätte sie sich gefreut und gesagt: „Schau mal, was du gemacht hast.“
Genau so darfst du dein Grabgesteck betrachten.
Du schenkst diesem Menschen noch einmal deine Zeit. Du beschäftigst dich mit seinen Blumen, seinen Farben und euren Erinnerungen. Vielleicht sitzt eine Rose nicht genau dort, wo ich sie gesetzt hätte. Vielleicht ist dein Herz ein bisschen wilder, ein bisschen bunter oder ganz anders als meine Vorlage.
Aber du hast es gemacht.
Und deine Zeit ist eines der kostbarsten Dinge, die du schenken kannst.
Wenn du dir das Material dafür nicht mühsam einzeln zusammensuchen möchtest, kannst du dir in meinem Onlineshop ein handgefertigtes Grabgesteck als Vorlage aussuchen und mit dem Rabattcode Bastelpaket dein passendes Materialpaket bestellen. Wie das genau funktioniert, erkläre ich dir ausführlich in meinem Beitrag Bastelpaket von SarahsFlowerStudio – aussuchen, auspacken und selber kreativ werden.
Und wenn du gerne einmal gemeinsam mit mir gestalten möchtest, schau auch in meinen Beitrag TikTok Live bei SarahsFlowerStudio – mein Blumenladen wird digital. Dort erkläre ich dir, wie meine Live-Workshops und meine ganz normalen Tage an der Werkbank ablaufen.
Hab keine Angst davor, deine eigene Handschrift zu zeigen. Floristik muss nicht vollkommen sein, um etwas zu bedeuten.
Manchmal sind es gerade die kleinen Besonderheiten, die aus Blumen eine Erinnerung machen.