Grabgesteck selber machen oder kaufen? Meine ehrliche Einschätzung als Floristin
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Ein Grabgesteck selbst anzufertigen, kann etwas ganz Besonderes sein. Gerade wenn man einen geliebten Menschen verloren hat, ist das Gestalten manchmal viel mehr als nur Basteln. Man nimmt sich bewusst Zeit, sucht Farben und Blumen aus, arbeitet mit den Händen und erschafft etwas, das später auf dem Grab seinen Platz bekommt. Ich finde, darin kann etwas sehr Tröstliches liegen.
Gleichzeitig erlebe ich natürlich auch die andere Seite: Nicht jeder hat die Zeit, die Geduld oder das handwerkliche Geschick, ein Grabgesteck selbst herzustellen. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag ganz ehrlich beide Möglichkeiten betrachten. Was kostet ein selbst gemachtes Grabgesteck wirklich? Was braucht man dafür? Und wann ist es vielleicht entspannter, ein fertiges Gesteck zu kaufen?
Kann man ein Grabgesteck auch als Anfänger selber machen?
Ja – auf jeden Fall. Man muss keine ausgebildete Floristin sein, um ein schönes Grabgesteck anzufertigen. Was man allerdings mitbringen sollte, sind ein wenig handwerkliches Geschick, Geduld und vor allem die Bereitschaft, sich für das Projekt Zeit zu nehmen.
Ich würde einem Anfänger immer empfehlen, vorher ein oder zwei Anleitungen oder Videos anzuschauen. Dadurch versteht man den grundsätzlichen Aufbau wesentlich schneller. Auf meinen Kanälen bei TikTok, Instagram und YouTube zeige ich beispielsweise immer wieder, wie meine Werkstücke entstehen. Einige Videos sind im Zeitraffer aufgenommen, sodass man sehr gut erkennen kann, welcher Arbeitsschritt auf den nächsten folgt.
Und dann gilt eigentlich nur: Nicht zu viel nachdenken, anfangen – und sich auch kleine Fehler erlauben.
Was brauche ich, um ein Grabgesteck selbst zu machen?
Ein paar Dinge würde ich unbedingt vorher bereitlegen. Für ein einfaches Grabgesteck braucht ihr eine passende Unterlage, Trockensteckmasse, Kunst- oder Seidenblumen, Grünmaterial und je nach Gestaltung vielleicht noch Zapfen, Beeren oder andere Dekoration.
Außerdem benötigt ihr Floristendraht beziehungsweise Befestigungsmaterial, eine gute Klebepistole mit passenden Klebesticks, eine Schneidezange oder anderes geeignetes Werkzeug und unbedingt eine Unterlage zum Schutz des Arbeitstisches.
Wer noch nicht regelmäßig mit Floristikmaterial arbeitet, dem würde ich außerdem Handschuhe empfehlen. Heißkleber ist wirklich heiß, Drahtenden können pieksen und auch beim Schneiden sollte man etwas vorsichtiger arbeiten.
Trockensteckmasse statt Frischblumen-Steckmasse
Für Kunst- und Seidenblumen verwende ich Trockensteckmasse. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Frischblumen-Steckmasse ist dafür gedacht, Wasser aufzunehmen und frische Blumen zu versorgen. Für dauerhafte Kunstblumengestecke bietet sie mir nicht die Stabilität, die ich benötige, und kann bei Belastung leichter ausbrechen.
Trockensteckmasse ist für solche dauerhaften Werkstücke wesentlich besser geeignet. Gerade bei einem Grabgesteck muss die technische Basis stimmen. Das Werkstück wird später schließlich draußen Wind und Wetter ausgesetzt.
Wie viel kostet es, ein Grabgesteck selber zu machen?
Hier wird es interessant, denn Selbermachen bedeutet nicht automatisch, dass es deutlich günstiger ist.
Für ein kleines bis mittelgroßes Gesteck würde ich allein für Blumen und Grün ungefähr mit einem Materialeinsatz von mindestens 20 bis 30 Euro rechnen. Je nach Größe, Blumenqualität und Gestaltung kann es natürlich auch deutlich mehr werden.
Dazu kommen gegebenenfalls Steckmasse, Unterlage, Draht, Heißkleber, Klebesticks und Werkzeug. Wer bereits bastelt und vieles davon zu Hause hat, muss diese Dinge natürlich nicht jedes Mal neu kaufen. Wer bei null anfängt, hat dagegen erst einmal zusätzliche Anschaffungskosten.
Und ein weiterer Punkt wird gern vergessen: Man verkalkuliert sich als Anfänger ziemlich schnell. Man kauft zu viele Blumen oder zu wenige und fährt dann ein zweites Mal einkaufen. Ein Stiel wird zu kurz abgeschnitten, etwas wird falsch festgeklebt oder am Ende fehlt genau dieses eine Grün, das die sichtbare Lücke schließen sollte. Auch das gehört zum Selbermachen dazu.
Wie lange braucht ein Anfänger für ein Grabgesteck?
Ich würde einem Anfänger empfehlen, mindestens etwa eine Stunde einzuplanen und bitte nicht unter Zeitdruck zu arbeiten.
Ich sage auch in meinen Videos immer wieder: Erst hinlegen. Anschauen. Verschieben. Und erst kleben, wenn ihr euch sicher seid. Das spart unglaublich viel Material und Ärger. Eine Blume, die noch nicht festgeklebt ist, kann ich zehnmal umlegen. Ist sie einmal mit Heißkleber befestigt, wird die Sache schon schwieriger.
Gerade deshalb darf ein solches Projekt ruhig langsam entstehen, vielleicht mit einer Tasse Kaffee oder Tee daneben. Für mich hat Floristik sowieso etwas sehr Ruhiges und manchmal fast Meditatives. Bei einem Grabgesteck kommt noch die persönliche Bedeutung dazu.
Welche Grabgestecke sind für Anfänger geeignet?
Ich würde als erstes Projekt keine komplizierte Gestaltung mit vielen Höhen und Tiefen wählen. Höhen- und Tiefenarbeit verlangt bereits ein recht gutes Gefühl für Proportionen.
Einfacher ist eine Gestaltung, die eher flach oder kissenartig auf einer Ebene gearbeitet wird. Gut geeignet sind zum Beispiel ein Herz, ein Kreuz oder eine einfache runde Form.
Auch bei der Verteilung der Blumen würde ich am Anfang nicht zu kompliziert arbeiten. Eine locker wirkende Streutechnik, bei der die Blumen scheinbar natürlich über das Werkstück verteilt sind, kann für Anfänger wesentlich einfacher umzusetzen sein als eine sehr streng aufgebaute floristische Gestaltung.
Wenn das erste Projekt gut geklappt hat, kann man sich beim nächsten langsam steigern.
Der häufigste Anfängerfehler: Man sieht die Unterlage
Das sehe ich wirklich oft. Die Blumen werden gesetzt und von oben sieht das Gesteck zunächst schön aus. Schaut man aber seitlich darauf, entdeckt man plötzlich die Steckmasse oder Teile der Unterkonstruktion.
Deshalb gehört die saubere Abdeckung der Basis für mich zu den wichtigsten Arbeitsschritten. Grünmaterial ist dabei nicht einfach nur Dekoration. Es hat eine technische Aufgabe. Es verdeckt die Unterkonstruktion, verbindet die einzelnen Blumen miteinander und gibt dem gesamten Werkstück seine Form.
Ein gutes Gesteck sollte möglichst aus verschiedenen Blickwinkeln sauber gearbeitet aussehen.
Nicht zu locker stecken
Der zweite typische Fehler ist, dass zu wenig Material verwendet wird. Dann entstehen sichtbare Löcher zwischen den Blumen und man kann bis in das Innere des Gestecks schauen.
Aber Vorsicht: Die Lösung ist nicht, einfach immer mehr große Blüten hineinzustecken. Die Kunst liegt darin, Blumen, Grün und Füllmaterial richtig miteinander zu kombinieren. Und genau hier kommt irgendwann das floristische Auge ins Spiel.
Proportionen sind etwas, das man lernt
Viele Menschen besitzen von Natur aus ein gutes Gefühl für Farben und Formen. Das hilft enorm. Trotzdem gibt es Dinge, die man in einer floristischen Ausbildung und anschließend durch jahrelange Praxis lernt.
Wie hoch darf eine Blume stehen? Wo braucht das Werkstück Tiefe? Wo fehlt optisch Gewicht? Wie entstehen Blickpunkte? Wie verbinde ich unterschiedliche Blumen miteinander? Warum sieht ein Gesteck harmonisch aus, während beim anderen eigentlich dieselben Blumen verwendet wurden und trotzdem irgendetwas nicht stimmt?
Das sind oft Kleinigkeiten. Nach vielen Jahren arbeitet man irgendwann sehr intuitiv. Man sieht eine Stelle und merkt sofort: Da fehlt etwas.
Das sollte einen Anfänger aber überhaupt nicht abschrecken. Dieses Auge entwickelt sich mit jedem Werkstück.
Die Befestigung ist genauso wichtig wie die Optik
Ein Grabgesteck muss nicht nur schön aussehen, es muss auch halten. Gerade bei einem Werkstück für draußen ist die technische Verarbeitung besonders wichtig.
Stiele sollten ausreichend tief und stabil in der Steckmasse sitzen. Materialien, die zusätzlichen Halt benötigen, können verklebt oder mit Draht befestigt werden. Die Unterkonstruktion selbst muss ebenfalls stabil aufgebaut sein.
Gerade dabei sehe ich bei ungeübten Arbeiten häufiger Probleme. Das fertige Gesteck sieht zunächst gut aus, aber einzelne Teile sitzen nicht fest genug. Spätestens bei Wind oder stärkerer Witterung rächt sich das.
Gute Seidenblumen erkennen ist nicht immer einfach
Auch bei den Blumen kann man als Anfänger schnell danebenliegen. Eine Kunstblume sieht auf den ersten Blick vielleicht schön aus – aber wie ist das Material verarbeitet? Wie wirkt die Farbe? Wie sieht die Blüte von der Seite aus? Wie ist der Stiel gearbeitet? Bleibt sie in Form?
Gerade weil ich mehrere Jahre im Import- und Exporthandel für Seidenblumen gearbeitet und unter anderem die Qualitätskontrolle direkt in Fabriken übernommen habe, schaue ich solche Details sehr genau an.
Wenn euch das Thema interessiert, findet ihr dazu meinen Beitrag Wie erkennt man hochwertige Seidenblumen?. Auch weshalb gute Kunstblumen ihren Preis haben können, erkläre ich ausführlicher in Warum hochwertige Kunstblumen nicht billig sein können.
Warum ein selbst gemachtes Grabgesteck trotzdem unbezahlbar sein kann
Jetzt kommen wir zu dem Punkt, den man nicht in Euro rechnen kann: das Erfolgserlebnis.
Etwas mit den eigenen Händen für einen verstorbenen Menschen zu gestalten, kann unglaublich persönlich sein. Man sucht vielleicht bewusst die Lieblingsfarbe aus, eine bestimmte Blume oder etwas, das einen an diesen Menschen erinnert. Während man arbeitet, nimmt man sich Zeit für diese Erinnerung.
Und später trägt man sein eigenes Werkstück auf den Friedhof und legt es auf das Grab. Das kann Stolz machen, Freude schenken und manchmal auch ein bisschen Trost.
Ich finde, dieses Gestalten kann durchaus etwas Meditatives haben. Vielleicht sitzt man dabei mit einer Tasse Kaffee oder Tee am Tisch, arbeitet in Ruhe und ist während dieser Stunde gedanklich noch einmal ganz bewusst mit einem geliebten Menschen verbunden.
Das lässt sich natürlich nicht gegen den Preis eines fertigen Grabgestecks aufrechnen.
Wann würde ich ein fertiges Grabgesteck kaufen?
Genauso ehrlich sage ich aber: Nicht jeder muss selbst kreativ werden.
Wenn ihr schon beim Gedanken an Klebepistole, Draht und Steckmasse gestresst seid, dann macht euch das Leben nicht unnötig schwer. Ein fertiges Gesteck ist eine gute Lösung für Menschen, die wenig Zeit haben, beruflich oder familiär stark eingespannt sind, sich handwerklich unsicher fühlen, keine Werkzeuge und Materialien kaufen möchten oder einfach ein professionell gearbeitetes Ergebnis wünschen.
Auch das ist völlig in Ordnung. Die Bedeutung des Grabschmucks wird schließlich nicht kleiner, nur weil man ihn nicht selbst hergestellt hat.
Ist ein fertiges Grabgesteck teurer?
Ihr bezahlt bei einem fertigen handgearbeiteten Gesteck natürlich nicht nur das Material. Ihr bezahlt auch die Arbeitszeit und die Erfahrung der Floristin.
Beim Selbermachen spart ihr diese Arbeitsleistung. Aber eure eigene Zeit ist trotzdem Zeit. Dazu kommt das Risiko von Fehlkäufen und Materialüberschuss.
Wenn beispielsweise nur drei Stiele eines bestimmten Grüns benötigt werden, ihr im Handel aber ein ganzes Bündel kaufen müsst, bleibt Material übrig.
Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen: Selbermachen ist immer günstiger. Manchmal ist es das, manchmal liegen die Kosten erstaunlich nah beieinander und manchmal wird das DIY-Projekt durch Werkzeug, Materialreste und Nachkäufe sogar teurer als erwartet.
Mein Bastelset für alle, die selbst gestalten möchten
Ich werde tatsächlich immer wieder gefragt, ob ich Materialien auch passend für ein eigenes Bastelprojekt zusammenstellen kann. Das mache ich gerne.
Dabei stelle ich die benötigten Waren so zusammen, dass möglichst nicht zu viel und nicht zu wenig im Paket liegt. Blumen, Grün und die Materialien werden passend zum geplanten Werkstück ausgewählt. Zwei Klebesticks lege ich ebenfalls dazu.
Das gilt nicht nur für Grabgestecke. Auch für andere Projekte wie Adventskränze oder Türkränze kann ich passende Materialien zusammenstellen.
Für diese Bastelsets biete ich einen 15-%-Rabattcoupon an. Wer dazu eine Anleitung benötigt, kann zusätzlich meine Videos auf TikTok, Instagram oder YouTube nutzen und sich dort die einzelnen Arbeitsschritte anschauen.
Und wenn ich es doch lieber fertig haben möchte?
Dann fertige ich das Gesteck für euch an.
Bei den meisten meiner Grabgestecke können Größe und Farbe individuell angepasst werden. Manchmal ist eine bestimmte Größe durch die verwendete Unterlage vorgegeben. Bei sehr vielen Modellen sind aber unterschiedliche Größen oder Farbwünsche möglich.
Das finde ich gerade bei Grabfloristik schön. Denn nicht jedes Grab ist gleich – und nicht jede Erinnerung ist gleich.
Selber machen oder kaufen – mein persönliches Fazit
Als Floristin könnte ich natürlich sagen: Kauft das fertige Gesteck. Aber das wäre nicht meine ehrliche Antwort.
Wenn ihr Freude am Gestalten habt und euch die Zeit dafür nehmen möchtet, probiert es aus. Beginnt mit einem einfachen Projekt, schaut euch vorher eine Anleitung an, legt die Blumen erst einmal lose auf, arbeitet langsam und erwartet beim ersten Gesteck nicht, dass alles sofort aussieht wie nach vielen Jahren Berufserfahrung.
Das muss es auch gar nicht. Vielleicht ist gerade das kleine Unperfekte am Ende besonders persönlich.
Und wenn ihr sagt: „Ich habe keine Zeit dafür“, „Ich traue mir das nicht zu“ oder einfach „Ich möchte, dass es professionell gemacht wird“, dann ist ein fertiges, handgearbeitetes Grabgesteck genauso die richtige Entscheidung.
Denn letztendlich geht es nicht darum, wer das Gesteck hergestellt hat. Es geht darum, warum es dort liegt und an wen wir damit erinnern.